Staat – Ratte – Bildsäule, was für eine Nachdenkens-Werte Parabel…


Einfach so – so einfach:
Das größte Übel des Staats,
die Ratte in der Bildsäule.
Eine Parabel die einen ganz schön herausfordert
und zum Nachdenken anregt.
Ob sie einen zu einer Erkenntnis bringt – schauen wir mal …

Ferdinand van Kessel,1648-1696, ein flämischer Barockmaler, Tanz der Ratten

Das größte Übel des Staats, die Ratte in der Bildsäule
Hoan-Kong frage einst seinen Minister, den Koang-Tschong,
wofür man sich wohl in einem Staat am meisten fürchten müsse.
 Koang-Tschong antwortete: 
„Prinz, nach meiner Einsicht hat man nichts mehr zu fürchten,
als was man nennet: die Ratte in der Bildsäule.“

Hoan-Kong verstand diese Vergleichung nicht;
Koang-Tschong erklärte sie ihm also:
„Ihr wisset, Prinz,
dass man an vielen Orten dem Geiste des Orts Bildsäulen aufzurichten pflegt;
 diese hölzernen Statuen sind inwendig hohl und von außen bemalet.
 
Eine Ratte hatte sich in eine hineingearbeitet;
und man wusste nicht, wie man sie verjagen sollte.

Feuer dabei zu gebrauchen getraute man sich nicht,
aus Furcht, dass solches das Holz der Statue angreife;
die Bildsäule ins Wasser zu setzen, getraute man sich nicht,
 aus Furcht, man möchte die Farben an ihr auslöschen.
Und so bedeckte und beschützte die Ehrerbietung,
die man vor der Bildsäule hatte, die – Ratte.“

 „Und wer sind diese Ratten im Staat?“ fragte Hoan-Kong.
„Leute“, sprach der Minister,
„die weder Verdienst noch Tugend haben
und gleichwohl die Gunst des Fürsten genießen.
Sie verderben alles; man siehet es und seufzet darüber;
 man weiß aber nicht, wie man sie angreifen, wie man ihnen beikommen soll.
Sie sind die Ratten in der Bildsäule.“

Johann Gottfried Herder, 1744–1803, war ein deutscher Dichter, Übersetzer,
Theologe sowie Geschichts- und Kultur-Philosoph der Weimarer Klassik.

Betrachtung:
„Bürokratie ist die Vervielfältigung von Problemen
durch die Einstellung weiterer Beamter.“
Cyril Northcote Parkinson, 1909-1993,
war ein britischer Historiker, Soziologe und Publizist.

UND:
Was ist die Botschaft dieser Parabel?

Die Bildsäule
– das Symbol der Macht
 – Menschen die selbst innerlich hohl sind, aber „bedenkenlos“ Macht ausüben,
egal ob in der Politik, Wirtschaft oder anderen Einrichtungen.
Die Ratten – sind das Symbol für die „menschlichen Handlanger“ der hohlen Macht-Inhaber.
Eigen-Zweckdienlich klug nisten sie sich bei diesen ein und
als geschickter Taktiker weiß man seine eigene Pfründe zu nützen und zu schützen.

Info:
Um von einem Staat sprechen zu können, müssen drei Staatselemente gegeben sein:

  • das Staatsvolk,
  • das Staatsgebiet,
  • die Staatsgewalt.

Übel des Staates – die Zuarbeiter der „Mächtigen“ nutzen diese und
 leisten meist selbst keine bedeutungsvolle oder beachtenswerte Arbeit.
Stattdessen bedienen sie sich oft respektwidrig der Instrumente die ihnen die „Macht-Inhaber“
zur Verfügung stellen und das oft zum Schaden des Staates oder anderen Einrichtungen.

Philippe Rousseau, 1916-1887, ein französischer Maler, schön wär‘s – Die Ratte, die sich von der Welt zurückzog…

Betrachtend in der Gegenwart – hat diese Parabel noch eine Bedeutung –
die persönlich oder gesellschaftlich, für uns von Geltung sein könnte?
 

Über 200 Jahre alt ist diese Parabel und sie hat nichts,
rein garnichts an Aktualität und Aussagekraft verloren.
Es ist, wie es ist – alles ist,
was wir im privaten Miteinander, politisch oder wirtschaftlich „er-leben,
 des „Menschen Werk“ bis heute.
Alles „hausgemacht“, nur die Kleidung hat sich gewandelt,
wohl oder übel – nicht der menschelnde Mensch
mit einer besitzgierigen und bestechlichen Gesinnung.
Obrigkeits-Hörigkeit, Gier, Feigheit und auch Bequemlichkeit sind Charakter-Eigenschaften,
welche mühelos die Macht-Ausübenden dann zu nutzen wissen,
auch um ihre eigene „Hohlheit“ zu verbergen.  
Das Ausüben von Willkür und Selbstsucht:
Die autoritäre Herrschsucht auf der einen Seite verträgt sich bestens
mit der eigenmächtigen Rücksichtslosigkeit der anderen Seite. 

Fazit:
Eine äußerst übelschmeckende Parabel, wie ich meine.
Auf die Gegenwart bezogen, die noch unappetitlichere Vorgehensweise
von vielen unserer politischen und wirtschaftlichen Institutionen.
Machtmissbrauch wohin das Auge schweift.
„Sie verderben alles; man siehet es und seufzet darüber;
 man weiß aber nicht, wie man sie angreifen, wie man ihnen beikommen soll.
Sie sind die Ratten in der Bildsäule.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt und so hoffe ich, dass die  
„wehrhaften Sprecher der ehrlichen Wahrhaftigkeit“ wachsam bleiben und
weiterhin das Ungemach der „Ratten in der Bildsäule“ verbreiten dürfen.
Mut, eine kluge Strategie und Beharrlichkeit braucht es, um sich
gegen die schonungslose Eigenmächtigkeiten Einzelner durchzusetzen.
Sich zu trauen den Mund aufzumachen und Unrecht anzuprangern,
das verscheucht die eigene Hilflosigkeit, lässt einen auf Dauer
bewusster handeln und das fühlt sich dann aber so was von
einem befreienden, lebendigen und unglaublichen GUUUUT in unserem Dasein an.

„Kommunikation erfordert mehr Vorstellungskraft,
als sich viele Leute vorstellen oder in Wirklichkeit haben.“
Cyril Northcote Parkinson, 1909-1993

Link: https://jura-online.de/lernen/staat-3-elemente-lehre/240/excursus

Foto:  Bildsäule -Tanz der Ratten – ute weiss-ding 2014 im Bikinihaus aufgenommen