Wunsch, Wollen, Wille.


14. Wochentipp – Thema
Einfach so – (zeitlos) so einfach
Erst ein Traum, dann ein Wunsch,
rein gedanklich versteht sich.
Aber:
Ist mein Verlangen, mein Begehren auch mein Bedürfnis?
Oder:
Ist es die Personifikation meiner Sehnsüchte?

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935

Wünsche kommen – Wünsche gehen.
Wo Wünsche erkennbar wunschlos ankern – tritt Zufriedenheit ein.

Ute Weiss-Ding

Wünsche, Wünsche und nochmals Wünsche begleiten uns anmutig von Kindesbeinen an bis hin zum Greisenalter. Das mit den Wünschen ist halt so eine Sache, wenn der menschelnde Mensch sich „blindlings“ etwas wünscht. Denn wie schrieb schon Albert Roderich (1846 – 1938), ein deutscher Dichter in seinen Vers-Aphorismen zum Thema Wunsch:

Wünschen darfst du immer, o Mensch,
und vor allem wünsche,
dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehe.

Wohl wahr, denn oft zu spät erkennen wir die wahre Beschaffenheit des Gegenstands unseres gedankenvollen, wünschenden Begehrens.
Ach wie dumm, und schon hat der Wunsch sich materialisiert.
Da malt man sich wünschend in den kühnsten Träumen seine neue Traumwohnung aus, erhält auch wunderschöne Angebote. Upps, bloß alle unbezahlbar – tja, hier wurde beim Wünschen wohl vergessen die Bezahlbarkeit des Wunschobjektes mit zu berücksichtigen.
So ist das mit dem begehrlichen „ich wünsche mir“: Der Wunsch wird zum Ziel, das Wollen wird immer mächtiger, unser Wille übernimmt und lässt uns jetzt Purzelbäume schlagen, wenn wir es versäumt haben die Konsequenzen unserer Aktivitäten mit einzubeziehen.
Ach wie doof, hier ergänzt sich, uns zum Nachteil gereichend, der fröhlich treibende, kraftvolle Wille mit dem energiegeladenen Wollen. 

Achtung, aufgewacht wird dann in der Welt der Tatsachen und zwar, wenn wir meinen, uns längst auf der Zielgeraden zu befinden.

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935

Ok, ich gebe es zu. Es ist anstrengend und auch zeitraubend sich mit all seinen vielfältigen Wünschen auf du und du auseinanderzusetzen.
Es ist nun einmal, wie es ist:
Nur wer wahrhaftig mit sich selbst ehrlich im Reinen ist, kann einen Wunsch in eine für ihn passende wirklichkeitsnahe Fassung bringen. Sonst bleibt ein Wunsch als ein eingebildetes Wollen im Reich der Einbildungskraft und Verträumtheit, einfach so – so einfach stecken.
Scheibenhonig: Fassungslos schwingen wir dann in und mit unseren Wünschen hin und her.
Nur der bewusste Wille hat die Kraft uns im Reich der Tat und Wirklichkeit tätig werden zu lassen.

Des Nachdenkens Wert:
Willensfreiheit, scheinbar auch nur so ein Wunschbild?

„Der Mensch kann wohl tun, was er will,
aber er kann nicht wollen, was er will.“?
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), deutscher Philosoph

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935

Meine Lieben, Lebenswunsch = Lebensziel = glücklich sein.
Doch einmal glücklich sein, heißt nicht gleich dauerhaft zufrieden im Leben zu sein.
Also geht es weiter mit der Buntheit an Wünschen nach mehr Geld, mehr Erfolg, mehr Anerkennung, mehr Gesundheit und so weiter, und so weiter.

Um zukünftig unserer Wunscherfüllung bewusster Raum geben zu können, schauen wir uns das noch mit dem Wunsch und dem Wollen an.
Freude:
Fragen, nichts als Fragen, sorry, aber wir wollen unseren Wunsch ja erfüllt bekommen.

Als erstes dürfen wir uns die Frage stellen:

  • Aus welchem Beweggrund heraus entstand mein Wunsch?
  • Was motiviert, begeistert mich wahrhaftig, den Willen aufzubringen, um den Wunsch im Reich der Wirklichkeit in die Tat umzusetzen zu lassen?

Ist die Triebfeder erst einmal ehrlich und anerkannt geklärt, geht es ab zur nächsten Frage.

  • Brauche ich wahrhaftig das, nachdem ich mich so sehnlichst wünschend verzehre?

Gerne könnt ihr die kleine Wunschanleitung zum „Wünsche Wünschen“, bei einem meiner älteren Beiträge nachlesen http://berlinspirit.de/jahreswechsel-und-wuensche-wuenschen-anleitung/.

Nichts ist großartiger, als nach einer bewussten Wunsch-Formulierung, auch das Gewünschte zu erhalten, denn das fühlt sich dann aber sowas von einem uns stärkenden, anregenden, erfreuenden und belebenden GUUUUT in unserem Leben an.

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935

Abschließend
Was ich mir wünsche

Ich wünsche mir Augen,
mit denen ich einem Menschen ins Herz schauen kann,
und die nicht blind werden aufmerksam zu sein auf das,
was er von mir braucht.

Ich wünsche mir Ohren,
mit denen ich auch Zwischentöne wahrnehmen kann,
und die nicht taub werden beim Horchen auf das,
was das Glück und die Not des anderen ist.

Ich wünsche mir einen Mund,
der das Unrecht beim Namen nennt,
und der nicht verlegen ist um ein Wort
des Trostes und der Liebe zur rechten Zeit.

Ich wünsche mir Hände,
mit denen ich zärtlich liebkosen kann,
und die nicht festhalten,
was ich in Fülle habe und teilen kann.

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935

Ich wünsche mir Füße,
die mich auf den Weg bringen zu dem,
was wichtig ist, und die nicht stehen bleiben vor den Schritten,
die entscheidend sind.

Ich wünsche mir ein Rückgrat,
mit dem ich aufrecht und aufrichtig leben kann,
und das sich nicht beugt vor Unterdrückung, Willkür und Macht.

Ich wünsche mir ein Herz,
in dem viele Menschen zuhause sind und
das nicht müde wird,
Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen.

Ein Wort gibt das andere,
und eine belanglose Meinungsverschiedenheit
wächst sich in Windeseile zu einem handfesten Streit aus.
Am Ende behält das Schweigen das letzte Wort.

Ich wünsche mir, dass ich stark genug bin,
meine eigenen Fehler einzugestehen,
und mich nicht länger schämen muss für meine Schuld.

Ich wünsche mir, dass meine Liebe groß genug ist,
zuzuhören, wo die Not des anderen liegt,
der mir so wehtat, dass ich verstehen und vergeben kann.
Unbekannt

Ich wünsche euch, ein gutes Gelingen mit eurem Wünsche wünschen,
indem ihr einen hohlen Wunsch,
von einem echten Bedürfnis zu unterscheiden vermögt,
um dann genussvoll spürend euer Leben genießen zu können
herzlichst eure Ute Weiss-Ding

Bilder: Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch 1878-1935, Maler und Hauptvertreter der Russischen Avantgarde, Wegbereiter des Konstruktivismus und Begründer des Suprematismus.
Suprematismus (von lat. supremus – der Höchste) ist eine Stilrichtung der Moderne der bildenden Kunst.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Suprematismus

 

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