Man nehme sich freundlich gesonnene Menschen an eine Tafel, führe lustvoll gute Gespräche, serviere dazu „Coq au Vin“ und schon lässt sich gut gelaunt das knusprige Baguette plaudernd mit der Sauce ein …


11. Wochentipp – Thema

Der Schwelgerei zweiter Akt:
Erheiternde Gespräche und ein beschwipster Hahn,
gar betörend eingelagert in Bordeaux und noch immer nicht ist der Hahn genug berauscht,
denn es folgen ein wenig später Portwein und im Nachklang Cognac …

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Nach einem guten Essen ist der Mensch klüger,
und wer genießen will, lebt länger.

Unbekannt, Quelle: Speisekartentext entdeckt im Restaurant »Müli« in Müllingen in der Schweiz

Bei einem guten Essen mit Freunden geht nichts über einen heiteren und auch herzhaften Gedankenaustausch über Themen, die alle interessieren, wobei diese möglichst keinen brisanten Zündstoff beinhalten sollten. Immerhin sollen sich „meine“ Gäste mit Messer und Gabel an dem folgenden Hauptgang verlustieren und sich nicht gegenseitig massakrieren.

Dazu der Gesprächstipp Nr. 1: Gleichberechtigung
Für die Gesprächsteilnehmer am Tisch gilt es, sich auf den oder die anderen bewusst konzentriert einzulassen, ohne sich selbst aus den Augen zu verlieren, indem man anderen, um des lieben Friedens willen, nicht zu Munde redet. Feinde zu so einem Anlass haben an einem Tisch von vornherein nichts zu suchen. Jeder ist aufgerufen dem anderen Gesprächspartner als gleichberechtigtem Partner auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist sicherlich alles eine persönliche Einstellungssache, die aber sehr wohl bedacht sein möchte, wenn wir uns alle gemeinsam ein kultiviertes, befriedigendes Sich-Miteinander-Austauschen wünschen.

Dazu der Gesprächstipp Nr. 2: Verstehen
Wer möchte sich schon gerne von seinem Gesprächspartner zutexten lassen?
Oft glauben wir schon im Vorfeld zu wissen, was der andere sagen möchte oder das Thema interessiert uns nicht so wirklich, denn am liebsten sprechen wir ja gerne über uns selbst oder möchten unsere Argumentationen loswerden, die uns, während der andere noch spricht, in unserem Kopf umherschwirren. Ach, es ist schon ein Dilemma mit dem Zuhören können.
Dabei ist es absolut befreiend und befriedigend, wenn wir es schaffen „aktiv aufmerksam zuzuhören“, indem wir uns bemühen herauszuhören, was unser Gesprächspartner uns wirklich mitteilen möchte. Die Gegenseite zu verstehen, kann auch für uns neue Impulse freisetzen und in uns neue Horizonte eröffnen. Ja, und wenn wir die wahren Zusammenhänge des Gesagten erkennen, dann sind wir in der Lage ruhig und gelassen unsere Auffassung zu dem Thema kundzutun.

Dazu der Gesprächstipp Nr. 3: Fragen stellen
Wenn wir etwas nicht verstehen – Nachfragen bringt Entspannung – zeigt Interesse – bringt sowohl das gewünschte Verständnis, als auch wohlige Harmonie, denn Kommunikation findet immer auf der Ebene des wechselseitigen Sich-Miteinander-Austauschens statt.
Ich bin keine so große Freundin des „nach dem Warum“ zu fragen, aber es gibt Zeitgenossen an Tafeln, die ihre Aussagen als allgemeingültig verstehend hinstellen. Hier hilft es immer mit dem: „Warum ist das so?“ nachzuhaken, bevor alle ermüden oder säuerlich werden. Das erste, was ich in Rhetorikkursen lernte, war: „Wer fragt der führt!“ Wer es lernt sich mit sinnvollen, überzeugenden, folgerichtigen Fragen in Gespräche einzubringen, wird für die gesamte Tafelrunde (das gilt auch für das Geschäftsleben) eine wohltuende, lebhafte Bereicherung für alle sein.

Aber nun zu dem Rezept mit dem „Hahn in Wein – dem Coq au Vin“

im 12. Wochentipp gibt es das gesamte Rezept als PDF Dokument herunterzuladen.

6 – 10 Personen
Zutaten für den dritten Gang:
Coq au Vin – Hahn in Wein

10.-wochentipp-coq-au-vin-Marinade rahmen.

Zutaten inklusive für die Marinade:

  • Ca. 4,8 Kg Hähnchen, küchenfertig vom Schlachter grob zerteilen lassen oder zerteilte Hähnchenschenkel, ich habe noch ein großes, altes, massives Fleischermesser dafür.
    Oder Poularden-Brust- für die, die keine Knochen mögen, welche aber Geschmacksträger sind.
  • 6 EL Gänseschmalz (gibt es bei Reichelt, Kaisers) oder Butterschmalz oder Sonnenblumenöl
  • 2,5 – 3 Ltr. Bordeaux – Burgunder geht auch – er muss gehaltvoll sein
  • 700 ml Portwein
  • 100 ml Cognac
  • 300 Gramm magerer Speck
  • 800 Gramm Möhren
  • 1/3 Stück Sellerie – das ist der Rest von der Rinderbrühe
  • 1000 Gramm Champignons, ich liebe die Braunen
  • 4 Stück Gemüsezwiebeln
  • 4 Stück Knoblauchzehen
  • 500 ml Hühnerbrühe, entweder mit Brüh-Würfel oder fertig aus dem Glas
  • Gewürze
    • 2 + 2 große Zweige Frischer Rosmarin oder getrockneter Rosmarin
    • 4 + 4 Stängel Thymian oder getrockneter Thymian
    • 10 Stck Nelken
    • Pfeffer aus der Mühle
    • Salz
    • ½ Tube Tomatenmark
    • 6 Stck. Lorbeerblätter
    • Speisestärke falls die Sauce angedickt werde soll

Zubereitung:

1.

  • Die Marinade in einer sehr großen Schüssel ansetzen:
    4 Möhren, 2 Zwiebeln, den Sellerie fein schneiden, die 2 großen Zweige gewaschenen Rosmarin und die 4 Stängel Thymian, 10 Nelken, die Lorbeerblätter. Alles mit dem Wein übergießen und die gewaschenen – trocken getupften Hähnchenteile hineingeben. Über Nacht im Kühlschrank in der Marinade ziehen lassen.

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  • Am nächsten Tag das Fleisch zum Kochen aus der Marinade herausnehmen und trocken tupfen.
  • Die Marinade durch ein Sieb in einen Topf gießen.
  • Das Gemüse mit den Gewürzen beiseite stellen.
  • Die gesalzenen, gepfefferten Hähnchenteile nach und nach goldbraun im Gänsefett anbraten. Vorsicht – das Fett spritzt – am besten man deckt den Herd rund herum mit Alu-Folie ab.

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  • Das Fleisch aus dem Bräter nehmen und beiseite stellen.
  • Das gesamte vorhandene Gemüse aus der Marinade inkl. Kräuter, dazu die restlichen in Scheiben geschnittenen Möhren und Zwiebeln, Knoblauch und den Speck mit dem Tomatenmark anschwitzen. Der Speck genügt als Fettspender!
  • Info:
  • Ich habe einen großen Bräter und einen großen Topf für die gesamte Gemüse- und Fleischmenge benötigt und halbe, halbe aufgeteilt – s. Foto
  • Das Gemüse-Speck-Gemisch und restlichen Stängel Rosmarin und Thymian mit dem gesamten Portwein ablöschen und diesen zu einem Drittel einreduzieren lassen.

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  • Dann die Hähnchenteile auf das Gemüse setzen und mit der Marinade und der Hühnerbrühe angießen.

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  • Info:
    Dies ist meine bevorzugte Schmorart: Bei milder Hitze auf dem Herd ca. 1 ½ Stunden zugedeckt köcheln lassen.
  • Oder aufkochen lassen und dann ab in den 180 ° vorgeheizten Ofen und bei Ober-und Unterhitze ca. 40 – 50 min. schmoren lassen – bei Umluft auf 200 ° auch ca. gleiche Zeit.

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  • Dann den Cognac einfüllen und kurz flambieren.
  • Die halbierten Champignons kurz ohne Fett in einer beschichteten Pfanne anbraten, ab in den Bräter und weitere 15 Minuten mitköcheln lassen.
  • Wem die Sauce nicht sämig genug ist, entnimmt ca. 8 EL Sauce und löst ca. 2 EßL Speisestärke darin auf, dieses Gemisch dann in die Sauce zur Bindung einrühren.
  • Ich serviere Coq au Vin am Tisch aus der Pfanne, so kann sich jeder nehmen so viel wie er mag.

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  • Tipp: Kleine Teller für die Hühnerknochen auf dem Tisch verteilen.
  • Tipp: als Beilage zum Coq au Vin – passen auch Rosmarinkartoffeln oder wenn Nudeln, die schmale Bavette, zum Beispiel von Barilla, für mich klassisch mit einem wirklich guten Baguette vom Bäcker

Guten Appetit!

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Meine Lieben, lasset euch den Hauptgang genussvoll munden und dazu wohlbekömmliche Gespräche führen, denn das fühlt sich aber sowas von einem wohligen, stimmungsvollen und für alle Beteiligten nährenden GUUUUT an.

Die Vorspeise

„Genuss ist eine Frage der Fantasie“
Markus M. Ronner, Schweizer Publizist

Die Hauptspeise

Eine gute Tafel stillt allen Groll, sie versöhnt alle Menschen, bevor sie zu Bette gehen.
Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues (1715 – 1747), französischer Philosoph, Moralist und Schriftsteller

Das Dessert

Ein guter Koch ist der gewandteste Kuppler;
ein flinker Kellermeister der beste Versöhner.
Bei reichbesetzter Tafel ordnet sich Alles.
Heinrich Martin (1818 – 1872), deutscher Schriftsteller, Quelle: Martin, H., Ein Buch der Weisheit und Wahrheit, H. Jaenicke’s Verlag, Dresden 1871

Ich wünsche euch, dass ihr lustvolle und aufmerksame Gespräche
wo auch immer – genussvoll führen und genießen könnt
herzlichst eure Ute Weiss-Ding

Quelle:
Seit 20 Jahren schlummert dieses Rezept „Coq au Vin“ von meiner Freundin Hélène in meinen Unterlagen und nach dieser langen Zeit folgte endlich die „Premiere“. Ich hatte immer wieder diesen Aufwand an Arbeit gescheut – aber das Ergebnis hat sich gelohnt.

Quelle erstes Bild am Anfang:
Ernst-Ludwig-Kirchner, drei Gesichter, Hahn von Albertus Verhoesen, Hahn und Hahn.