Glauben – eine der Kardinaltugenden


04. Wochentipp 2017

Was gehört zum Glauben?

Einfach so – so einfach

Sich selbst gegenüber treu zu sein und zu bleiben.
Hand in Hand
dass es besser, viel besser ist zu glauben, als zu grübeln.
Seite an Seite
mit der Offenheit für das Unerklärliche, dem Mehr,
dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde.

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Glaube erklärt Unerklärliches.
© Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker,
Quelle: Bellermann, Dümmer for One, BoD 2003

Wie versprochen geht es im neuen Jahr weiter mit den letzten drei kirchlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung. In diesem Wochentipp wende ich mich als erstes dem Tor zum Glauben zu, dem „Ich glaube“.
Kurze Info:
Im Mittelalter fügte die Kirche noch drei weitere, ihrer Meinung nach erstrebenswerte Tugenden (s. u.) zu den schon bestehenden vier Kardinaltugenden Platons hinzu:

Mäßigkeit, http://berlinspirit.de/der-maessigkeit-ihre-besonnenheit-eine-der-kardinaltugenden/
Tapferkeit, http://berlinspirit.de/die-tugend-nr-2-tapferkeit/

Weisheit, http://berlinspirit.de/die-tugend-nr-3-weisheit/
Gerechtigkeit, http://berlinspirit.de/die-tugend-nr-4-gerechtigkeit/

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Im kirchlichen Sinne werden die Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung oft als gewichtiger Bestandteil von Erziehungsschriften verwendet, um wegweisende Werte zu vermitteln.
Siehe hier zum Beispiel, was die Bibel über den Glauben schreibt:

Hebräer 11,1
Der Glaube aber ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft,
ein Überführtsein von Dingen, die man nicht sieht.

2 Korinther 5,7
Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen.

Markus 11,22-24
Und Jesus antwortete und spricht zu ihnen:
Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berg sagen wird:
Hebe dich empor und wirf dich ins Meer! Und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glauben, dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden.
Darum sage ich euch: Alles, um was ihr auch betet und bittet, glaubt,
dass ihr es empfangen habt, und es wird euch werden.

Glaube = lateinisch fides auch Treue und Vertrauen und
indogermanisch leubh = begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚für lieb erklären‘, ‚gutheißen‘, ‚loben‘.

Der Glaube nach dem religiösen Verständnis:

  • Ein Verstehen mit dem Herzen, zu verstehen, dass sich „Gott“ in allem offenbart und Ja zusagen zu den Offenbarungen Gottes.
  • Der Gottesglaube hilft Zweifel und Zeiten der Leere durchzustehen.
  • Der Glaube, die Botschaft Gottes anzunehmen, Liebe zu empfangen.
  • Der Glaube ist hier eine Grundhaltung des Vertrauens im Zusammenhang religiöser, glaubensstärkender Überzeugungen.
  • Zu glauben als Tätigkeit bedeutet hier (auf Gott) … zu vertrauen, sich (auf Gott) … zu verlassen.
    Mit der Rückbindung an eine höhere „Macht, Wirklichkeit“ … sich richten nach…, einfach offen zu sein für Transzendentes, Offenbarungen oder Übernatürliches.

Der Glaube ist des Menschen Himmelreich.
Wohl denke ich, dass wir die Fähigkeit besitzen metaphysische, übersinnliche Begebenheiten als Wirklichkeit zu erahnen, um dann danach zu handeln.

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Wenden wir uns dem menschelnden, inneren weltlichen Glauben zu, dem Glauben der Berge versetzen kann und gleichzeitig uns in einem Tümpel von wabernder Untätigkeit verharren lassen kann durch hindernde oder aufbauende Glaubenssätze.
Drehen wir uns um, lösen unsere inneren Verknotungen bzw. Sichtweisen auf und machen uns auf, hin zu unseren inneren, bewussten und auch unbewussten Glaubenssätzen, hin zu dem, was ich alles glaube.
Der Glaube wird getragen von Glaubenssätzen, die wiederum ein Sammelsurium von Gedanken, Gefühlen, Unbewusstem, Einstellungen darstellen, welche in unserem Leben dann zu einer glaubenden Überzeugung geworden sind. Diese vielen kleinen und großen glaubenden Überzeugungen werden so zu einem Muster und einer sich immer wiederholenden, erschwerenden Abstraktion in unserem Leben, welche ich lustvoll verallgemeinernd für viele Situationen anwende, wobei diese dann unser Leben sinnvoll beeinflussen.
Glauben angefeuert von und mit Glaubensgrundsätzen, kann hier wahrlich hin zu einer Begrenzung meiner Selbst führen. Innere Glaubenssätze gieren förmlich nach Bewahrheitung und treiben munter ihre Spielchen mit uns aus dem Unterbewusstsein heraus. Hierzu habe ich schon in einem früheren Wochentipp geschrieben:
http://berlinspirit.de/unbewusstes-glauben-fuelle-mangel-illusion/

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

  • Welche Glaubenssätze belagern mein Denken?
  • Welche Argumente sprechen gegen meine negativen Glaubenssätze?
  • Eine Gegenmaßnahme wäre –
    es mir zu erlauben, diese mich behindernden Glaubenssätze aufzugeben
  • Was bringt es mir Neue Glaubenssätze zu schaffen – lassen mich diese wahrhaftig innerlich wohlig aufblühen und ändern sie mein Dasein, positiv?

Glaubenssätze aufzufinden ist alleine schon verworren genug.
Ich persönlich schaffe das, indem ich mir meine Lebens-Geschehnisse bewusst anschaue, um dann in der Stille mit mir selbst, einem Blatt Papier und Stift, diesen Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen.
Zum Beispiel: „Ich bin nicht gut genug.“ Hier suggeriere ich mir etwas, was einen weitreichenden Einfluss auf mein Verhalten und Handeln in vielen Bereichen meines Lebens besitzt. Solch ein Glaubenssatz in meinem Sein trägt faulige Früchte bis hinein in die Bereiche von Liebe, Beruf, Geld usw. und ganz abgesehen davon ist zu berücksichtigen, was solch ein Glaubensmuster für einen Einfluss auf mein Selbstwertgefühl hat.
Was ist an diesem Glaubenssatz unsinnig?
Wer bestimmt denn, dass ich nicht gut genug bin – offensichtlich ich selbst mit meinem Denken. Fatal, denn hier wurde mir offensichtlich in frühester Kindheit im Außen vermittelt, dass ich nicht genüge, dass ich fehlerhaft bin, mich gefälligst so oder so zu verhalten habe, damit ich angenommen, geliebt werde und, und, und…

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Ich bin ein Fan davon, sich alte blockierende Glaubenssätze bewusst zu machen und zu eruieren woher diese kommen, die Gefühle dazu zu orten, zu vergeben (auch mir selbst) und Frieden damit zu schließen. Meiner persönlichen Erfahrung nach kann ich das, was ich wissend erkenne, auch besser verstehen. Hier bin ich in der Lage das, was ist zu akzeptieren und das, was ich verzeihen kann zu verzeihen, um es loslassen zu können. 

Der Vorteil ist, dass ich mich so von dem mich hemmenden Glaubensmuster bewusster, verständnisvoller befreien kann.

Glaubensätze werden immer von Gefühlen begleitet, also immer schön hinein spüren wo, wie, mit was für einem Gefühl sich der erkannte Glaubenssatz im Körper zeigt.
Ich habe noch nie einen neuen positiven versus einen alten Glaubenssatz kreiert, um den alten aufzulösen.
Wozu? Für mich ist und war es wichtig mitzubekommen, mit was für Gedanken und wie ich im Handeln mit meinem Denken gegen mich arbeite.
Heute achte ich auf meine mich begleitenden Gefühle und frage mich im Vorfeld, wieso ich bestimmte Dinge im Leben nicht machen möchte. Wie es sich anfühlt, wenn ich etwas verneine. Tja, und wenn dieses „Ich bin nicht gut genug“ wieder aufflammt, dann arbeite ich, einfach so – so einfach, bewusst machend in der jeweiligen Situation daran.
Das ist lebendig gelebtes Leben. Negative Glaubenssätze verschwinden nicht einfach so – nur weil sie mir bewusst werden und ich flugs mal mit einer neuen Affirmation daher komme und das Negative mit etwas Positivem ersetze.
INFO
Sehr wohl kann ich mit den alten, als auch mit den neu erschaffenen positiveren Glaubenssätzen arbeiten und lernen mir Fragen zu stellen. Hier übernehme ich Ver-Antwort-ung für mich durch die von mir beschafften Antworten. Hier  können neue Affirmationen sicherlich eine kreative Inspiration für mich sein und mich verantwortlich handeln lassen. Mein Handeln fühlt sich dann konkreter, freier, leichter, bewusster an und ist in der Gestaltung sicherlich auch einfallsreicher.

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Meine Lieben, das war eine kleine Reise sowohl durch den religiösen, als auch den menschelnden alltäglichen Glauben, um durch das Tor zum Glauben zu dem – „Ich glaube“ zu schreiten.
Wichtig ist es –

  • sich jeden Tag auf ein Neues auf die Reise zu sich selbst zu machen –
  • sich bewusst zu machen wie wertvoll, interessant und liebenswert ich bin –
  • wie viele Geschenke mir im Außen durch Freundschaft zuteilwerden –
  • dass Schüchternheit keine Feigheit ist, sondern eine Scheu vor was auch immer beinhaltet und ich vieles auch mit dieser ungeliebten Eigenschaft schaffen kann.

Müssen wir wirklich alles schaffen?
Ich glaube, dass der Glaube an sich ein wahrer Zauberer ist für das, was uns wirklich wichtig ist und das, was uns fürwahr sinnlich am Herzen liegt, das was wir wahrhaftig brauchen. Befreien wir unseren inneren Zauberer, unseren Magier, dann zeigen sich all die hinderlichen und auch die hilfreichen Glaubensmuster. Auch der gefühlte, wissende Glaube an das Transzendente, Raum- und Zeitlose im Leben kann sich hier endlich zeigen.
Hier können sich immer wieder neue Möglichkeiten auch in brenzligen Situationen wegweisend aufzeigen und das fühlt sich dann aber so was von einem befreienden, belebten, aktiven und abenteuerlichen GUUUUT in unser aller Leben an.
Schaut euch hierzu nochmals den Bibelspruch „Markus 11,22-24“ oben an.
Info:
Das Buch der Bücher – Die Bibel – gibt es auch als „Die VOLXBIBEL“ – neues Testament, in einer modernen, angesagten, gut lesbaren Sprache geschrieben. Worte, die vor ca. zweitausend Jahren geschrieben wurden, werden hier in die Sprache unserer Zeit übersetzt.
Sie ist sehr leicht und vor allem verständlich zu lesen.  

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Erstens – Glaube – Bedenken

Glaube, Lüge, Hoffnung.
© Manfred Hinrich (1926 – 2015), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller


und

 

Glaube, um zu erkennen; erkenne, um zu glauben.
Augustinus Aurelius (354 – 430), Bischof von Hippo, Philosoph, Kirchenvater und Heiliger

 

Zweitens –  Glaube – Beachten

Glaube ist fühlendes Wissen.
© Horst A. Bruder (*1949), Bankkaufmann, Quelle: »TriebFeder«, Frieling & Partner, Berlin, 1996


Drittens – Glaube – Wahrhaftiges

Der Glaube versetzt Denken.
© Patrick Woodford (*1970), Pfarrer und Gelegenheitsaphoristiker

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Viertens – Glaube – Geld-Nachdenker

 

Der Glaube ist für alle da, das Geld nicht.
© Manfred Hinrich (1926 – 2015), Dr. phil., deutscher Philosoph, Philologe, Lehrer, Journalist, Kinderliederautor, Aphoristiker und Schriftsteller

 

aber

 

Der beste Glaube ist bares Geld.
Aus Holland

 

Fünftens – Glaube – Aktuelles

 

Der stärkste Glaube – der Glaube an die eigene Kraft.
© Helmut Glaßl (*1950), Thüringer Aphoristiker

 

und

 

Glaube heute:
Was ich glaube, weiß ich nicht.
Aber was ich nicht glaube, ganz genau.
© Stefan Fleischer (*1938), Rentner, vorher Organisator einer Großbank

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

 

Sechstens – Glaube – Nachdenkens wert

 

Glaube ist Wunderglaube, Glaube und Wunder absolut unzertrennlich.
Anselm Feuerbach (1829 – 1880), deutscher Maler

 

Siebentens – Glaube – der Glaubens Ausklang

 

Es ist ein falscher Glaube zu glauben,
dass ein anderer Glaube falsch sei.
© Gerhard Uhlenbruck (*1929), deutscher Immunbiologe und Aphoristiker, Quelle: Uhlenbruck, Kopfnüsse – nichts für weiche Birnen, Ralf Reglin Verlag, Köln 2012


denn

 

Ich glaub‘t und glaub‘s und glaub‘, ich glaube richtig.
Ludovico Ariosto (1474 – 1533), italienischer Lyriker und Satiriker, Quelle: Ariosto, Der rasende Roland (Orlando furioso), 1516-32

Ich wünsche euch die Fertigkeit des Glaubens – glaubensvoll
hier und jetzt – eure Lebens-Zeit zu genießen
herzlichst eure Ute Weiss-Ding

Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939

Bilder: Boris Dmitrievich Grigoriev 1886-1939, war ein russischer avantgardistischer Maler und Dichter. Er lebte einige Zeit in Paris, wo er auch starb.

Quelle: http://www.cz-herborn.de/glauben/

https://de.wikipedia.org/wiki/Glaube

http://www.kernfragen-des-glaubens.de/2-was-ist-glaube/

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